____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
FixgeschÀft
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Ein FixgeschÀft liegt vor, wenn die Einhaltung einer genau bestimmten Leistungszeit (fester Termin beziehungsweise bestimmte Frist) wesentlicher Inhalt der vertraglichen Leistungspflicht ist.cite-ref-1[1]cite-ref-2[2] Unterschieden wird zwischen dem absoluten und dem relativen FixgeschÀft.cite-ref-3[3]
Dogmatisch ist das FixgeschĂ€ft in den allgemeinen Teil des Schuldrechts einzuordnen. Gesetzliche Vorschriften betreffend das FixgeschĂ€ft finden sich im Handelsgesetzbuch, in der Insolvenzordnung und im Wertpapierhandelsgesetz. Die entscheidenden Vorschriften finden sich im BĂŒrgerlichen Gesetzbuch, der hĂ€ufigste Fall ist der Fixkauf.
Die Frage, ob ein absolutes oder relatives FixgeschĂ€ft vorliegt, ist durch Auslegung des Vertrags nach dem objektiven EmpfĂ€ngerhorizont der §§ 133, 157 BGB zu beantworten.cite-ref-4[4] In die Wertung sind damit die Interessen der Parteien mit aufzunehmen, allein die Vereinbarung einer festen Leistungszeit genĂŒgt nicht. Liegt ein FixgeschĂ€ft vor, ist zu beachten, dass ein absolutes FixgeschĂ€ft seltener und ein relatives FixgeschĂ€ft hĂ€ufiger vorliegt.
Die Frage, ob es sich bei einem RechtsgeschÀft um ein FixgeschÀft handelt, spielt besonders hinsichtlich der Rechtsfolgen bei Nichtleistung, der Bestimmung der SekundÀrrechte, eine Rolle.
Contents
âą Beispiel
âą Sachverhalt
âą Literatur
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Absolutes FixgeschÀft
â
Hauptartikel
:
Absolutes FixgeschÀft
Ein absolutes FixgeschĂ€ft liegt vor, wenn die Einhaltung der Leistungszeit nach dem Zweck des Vertrages und der gegebenen Interessenlage fĂŒr den GlĂ€ubiger derart wesentlich ist, dass eine verspĂ€tete Leistung keine ErfĂŒllung mehr darstellt.cite-ref-5[5]cite-ref-6[6]cite-ref-7[7] Oder nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs aus 2021: âDabei muss der gesetzliche oder vereinbarte Leistungszeitpunkt nach dem Sinn und Zweck des Vertrags und nach der Interessenlage der Parteien so wesentlich sein, dass eine verspĂ€tete Leistung fĂŒr den GlĂ€ubiger absolut sinnlos ist.âcite-ref-8[8]cite-ref-9[9]
Beispiele fĂŒr absolute FixgeschĂ€fte sind die Bestellung eines Taxis fĂŒr einen vorher bestimmten Termin, das Engagement einer SĂ€ngerin fĂŒr ein Konzert und die Lieferung von Saisonware wie SchokoladenweihnachtsmĂ€nnern oder die Bestellung eines BrautstrauĂes.cite-ref-10[10]
Das absolute FixgeschĂ€ft ist gesetzlich nicht geregelt. Es gelten aber die allgemeinen Vorschriften ĂŒber die Unmöglichkeit:cite-ref-11[11]cite-ref-12[12] HĂ€lt der Schuldner die Leistungszeit nicht ein, begrĂŒndet dies dauernde Unmöglichkeit der Leistung.cite-ref-13[13] GemÀà § 275 Absatz 1 BGB ist der Anspruch auf die Leistung und nach § 326 Absatz 1 Satz 1 BGB grundsĂ€tzlich auch der Anspruch auf die Gegenleistung ausgeschlossen.
Der GlĂ€ubiger kann daher die allgemeinen SekundĂ€rrechte im Fall der Unmöglichkeit der Leistung geltend machen: Schadensersatz statt der Leistung ohne Fristsetzung gemÀà den §§ 280 Absatz 1, 3, 283, 275 Absatz 4, RĂŒcktritt nach den §§ 346 Absatz 1, 323 Absatz 1, 326 Absatz 5, 275 Absatz 4 BGB, das Surrogat gemÀà § 285 BGB herausverlangen, Ersatz von vergeblichen Aufwendungen nach § 284 BGB und nach den §§ 346, 326 Absatz 4 die RĂŒckzahlung einer erbrachten, aber nicht geschuldeten Gegenleistung verlangen.
Relatives FixgeschÀft
Ein relatives FixgeschĂ€ft liegt vor, wenn die Einhaltung der Leistungszeit so wesentlich zwischen den Parteien vereinbart ist, dass mit der zeitgerechten Leistung das GeschĂ€ft âstehen und fallenâ soll, wobei jeder Zweifel gegen die Annahme eines solchen GeschĂ€fts wirkt.cite-ref-14[14]
Typisches Beispiel fĂŒr ein relatives FixgeschĂ€ft sind Just-in-time-Vereinbarungen.cite-ref-15[15]cite-ref-16[16]
Eine spĂ€tere ErfĂŒllung bleibt dennoch trotz schuldhafter FristversĂ€umung noch möglich.cite-ref-17[17] Unmöglichkeit im Sinne von § 275 BGB tritt daher nicht ein. Deshalb sind die §§ 323, 281 BGB einschlĂ€gig und geben dem GlĂ€ubiger die folgenden Rechte: Schadensersatz statt der Leistung nach Fristsetzung gemÀà §§ 280 Absatz 1, 3, 281 BGB und RĂŒcktritt ohne Fristsetzung gemÀà den §§ 346 Absatz 1, 323 Absatz 2 Nr. 2 Alt. 1 BGB.
Spezialvorschriften
Sondervorschriften zu FixgeschÀften finden sich in den §§ 376 Absatz 1 Satz 1 HGB (Fixhandelskauf), 99 ff. WpHG (FinanztermingeschÀfte) und 104 InsO (FixgeschÀfte und Finanzleistungen).
Beispiel
Sachverhalt
I und A möchten am 26. Juli 2013, am Ehrentag des andalusischen Esels, heiraten. Zu diesem Zweck bestellen sie beim Konditor K eine Hochzeitstorte mit einer Eselsfigur als Zierrat und bei der Schneiderei S herkömmliche weiĂe Tischdecken ohne jegliche Verzierung. S und K wissen von der Hochzeit von I und A. Liefertermin fĂŒr die Hochzeitstorte und die Tischdecken ist der 26. Juli 2013.cite-ref-18[18]
Rechtliche Bewertung
Die Lieferzeit (Leistungszeit) ist fĂŒr die Einhaltung des Vertrages wesentlich. Ein FixgeschĂ€ft liegt vor. Zwischen der Hochzeitstorte und den Tischdecken ist jedoch zu differenzieren:
âą Die Hochzeitstorte ist am Hochzeitstag zu liefern. Liefert K die Torte zu einem spĂ€teren Zeitpunkt, können I und A diese in Anbetracht der spezifischen Verzierung (und der beschrĂ€nkten Verwendungsmöglichkeiten fĂŒr eine Hochzeitstorte) nicht mehr fĂŒr ihre Zwecke verwenden. Ihre Hochzeit ist dann bereits vorbei. Die verspĂ€tete Lieferung stellt fĂŒr das Brautpaar keine ErfĂŒllung mehr dar. Es liegt ein absolutes FixgeschĂ€ft vor. Wenn die Torte nicht rechtzeitig geliefert wird, mĂŒssen I und A nicht bezahlen und auch K muss sie nicht nachtrĂ€glich liefern.
âą Auch die Tischdecken sind am Hochzeitstag zu liefern. Eine verspĂ€tete Lieferung durch die Schneiderei S bleibt aber möglich, weil es sich bei der Ware um herkömmliche, weiĂe Tischdecken handelt. Das Paar kann diese zwar nicht mehr fĂŒr ihre Hochzeit, wohl aber fĂŒr andere Festlichkeiten verwenden. Es liegt ein relatives FixgeschĂ€ft vor. Bei einer verspĂ€teten Lieferung können I und A nur den ihnen entstandenen Schaden geltend machen, zum Beispiel die Kosten fĂŒr die Anmietung anderer Tischdecken. Daneben steht ihnen bis zur verspĂ€teten Lieferung der Tischdecken ein Recht zum RĂŒcktritt vom Vertrag zu.
Literatur
âą Roland Schwarze: âSteht und fĂ€lltâ â Das RĂ€tsel der relativen Fixschuld, in: Archiv fĂŒr die civilistische Praxis 2007, S. 437â455.
Einzelnachweise
cite-note-11. â Dirk Looschelders: Schuldrecht Allgemeiner Teil, Vahlen, 10. Auflage, MĂŒnchen 2012, § 35 Rn. 705.
cite-note-22. â Roland Schwarze/Hansjörg Otto, in: Julius von Staudinger (Begr.)/Manfred Löwisch (Red.), Kommentar zum BĂŒrgerlichen Gesetzbuch, Leistungsstörungsrecht 2, Neubearbeitung 2009, § 323 B 100.
cite-note-33. â Dieter Medicus/Stephan Lorenz, Schuldrecht I Allgemeiner Teil. 20. Auflage, Beck, MĂŒnchen 2012, § 36 Rn. 420 f.
cite-note-44. â Christian GrĂŒneberg, in: Otto Palandt (Begr.): BĂŒrgerliches Gesetzbuch. 72. Auflage, Beck, MĂŒnchen 2013, § 271 Rn. 18.
cite-note-55. â Christian GrĂŒneberg, in: Otto Palandt (Begr.): BĂŒrgerliches Gesetzbuch. 72. Auflage, Beck, MĂŒnchen 2013, § 323 Rn. 19.
cite-note-66. â Daniel Ulber, in: Erman, BGB, Kommentar, herausgegeben von Harm Peter Westermann, Barbara Grunewald und Georg Maier-Reimer, Verlag Dr. Otto Schmidt, Köln 2023, § 275 Rn. 33.
cite-note-88. â Bundesgerichtshof, Urteil vom 20. Mai 2021, Az. VII ZR 38/20, Rn. 22.
cite-note-99. â Ăhnlich Stephan Lorenz: Grundwissen â Zivilrecht: Unmöglichkeit â Voraussetzungen und unmittelbare Rechtsfolgen. JuS 2022, S. 394 (395): âEin solches liegt dann vor, wenn die Leistung nach der Vereinbarung der Parteien so wesentlich ist, dass sie nur zu einem bestimmten Zeitpunkt oder innerhalb eines bestimmten Zeitraums sinnvoll vorgenommen werden kann.â
cite-note-1010. â Dieter Medicus, in: Hanns PrĂŒtting/Gerhard Wegen/Gerd Weinreich (Hrsg.), BGB Kommentar, Beck. 7. Auflage, MĂŒnchen 2012, § 323 Rn.§ 32.
cite-note-1111. â Wolfgang Ernst, in: Roland Rixecker/Franz JĂŒrgen SĂ€cker/Hartmut Oetker (Hrsg.)/Wolfgang KrĂŒger (Red.), MĂŒnchener Kommentar zum BĂŒrgerlichen Gesetzbuch, Band 2, Beck, 6. Aufl., MĂŒnchen 2009, § 323 Rn. 112.
cite-note-1212. â Christian GrĂŒneberg, in: Otto Palandt (Begr.): BĂŒrgerliches Gesetzbuch. 72. Auflage, Beck, MĂŒnchen 2013, § 271Rn. 17.
cite-note-1313. â Bundesgerichtshof, Urteil vom 30. November 1972, Az. VII ZR 239/71, BGHZ Bd. 60, S. 14, 16 = Neue Juristische Wochenschrift 1973, S. 318â321.
cite-note-1414. â Bundesgerichtshof, Urteil vom 17. Januar 1990, Az. VIII ZR 292/88, BGHZ 110, S. 88â98, 96 = NJW 1990, S. 2065â2067: âEin FixgeschĂ€ft erfordert nicht nur die Festlegung einer genauen Lieferzeit oder -frist, sondern darĂŒber hinaus Einigkeit der Parteien darĂŒber, daĂ der Vertrag mit der Einhaltung oder Nichteinhaltung der Lieferzeit âstehen oder fallenâ soll, wobei sich jeder Zweifel gegen die Annahme eines FixgeschĂ€fts auswirktâ.
cite-note-1515. â Wolfgang Ernst, in: Roland Rixecker/Franz JĂŒrgen SĂ€cker/Hartmut Oetker (Hrsg.)/Wolfgang KrĂŒger (Red.), MĂŒnchener Kommentar zum BĂŒrgerlichen Gesetzbuch, Band 2, Beck, 6. Aufl., MĂŒnchen 2009, § 323 Rn. 116.
cite-note-1717. â Harm Peter Westermann, in: Barbara Grunewald/Georg Maier-Reimer/ders., BGB, 13. Auflage, Otto Schmidt, Köln 2011, § 323 Rn. 19.
cite-note-1818. â Fall angelehnt an OLG DĂŒsseldorf, Urteil vom 8. Dezember 2000, Az. 22 U 104/00, NJW-RR 2002, 633.